Die Heldentaten der Dorfbewohner von Šarnelė

Während des Zweiten Weltkriegs retteten zwei Familien aus dem Dorf Šarnelė – die Striaupiai und die Kerpauskas – trotz Lebensgefahr das Leben von Juden. Die Familie Striaupiai rettete insgesamt 26 Menschen, darunter neun Familien, und für die Familie eines jüdischen Kürschners aus Alsėdžiai wurde im Wald des Gehöfts der Kerpauskas ein Versteck eingerichtet.

Das Dorf Šarnelė im Bezirk Plungė wurde während der Nazi-Besatzung im Zweiten Weltkrieg zu einer stillen, aber unglaublich wichtigen Insel der Menschlichkeit. Hier, auf einem abgelegenen samogitischen Gehöft, lebte die Familie Striaupiai – einfache Bauern, die unter Einsatz ihres eigenen Lebens und dem ihrer Angehörigen Juden vor dem Krieg versteckten.

Die Geschichte beginnt im Ghetto von Telšiai. Nachdem Juozas Striaupys von den geplanten Massakern erfahren hatte, ritt er allein zum Mastis-See (in Telšiai), wo sich das Ghetto befand, und nahm über einen Abwasserschacht Kontakt zu drei jungen jüdischen Männern auf. Wenige Tage später, nachts, führte er durch dasselbe Abwassersystem bis zu sechs Menschen aus dem Ghetto. Zunächst wurde ihnen im Gehöft der Familie Striaupyi unter dem Boden eines Hühnerstalls ein Bunker eingerichtet, später ein Versteck in einer Werkstatt. Tagsüber herrschte im Versteck Ruhe, nachts jedoch reges Treiben.

Birutė, die Tochter der Familie Striaupiai, die damals noch ein Kind war, wurde zu den Augen und Ohren der Familie. Sie signalisierte den herannahenden Deutschen mit Liedern von einem Baum aus und beobachtete die Umgebung von einem Hügel aus. Eines Sommers fand eine Durchsuchung auf dem Hof statt – die Gestapo durchsuchte das Haus, und das Versteck im Hühnerstall war so geschickt mit Mist und Stroh getarnt, dass die Soldaten, nachdem sie sich die Stiefel beschmutzt hatten, schnell wieder verschwanden. Birutė, obwohl erst acht Jahre alt, verriet das Geheimnis nicht, selbst als sie erschüttert, verängstigt und mit Schokolade verlockt wurde.

Die Heldentat der Striaupiai war damit noch nicht beendet. Als Juozas erfuhr, dass auch die Familie des jüdischen Kürschners Faktor aus Alsėdžiai ins Ghetto deportiert werden sollte, grub er zusammen mit seinen Nachbarn Kerpauskas einen weiteren Bunker im Wald (heute am Weg des Dichters V. Mačernis). Sieben Familienmitglieder fanden darin Zuflucht, darunter eine schwangere Frau, die später in dem Bunker eine Tochter zur Welt brachte. Dank der Unterstützung der Familie Kerpauskas und der Solidarität der übrigen Dorfbewohner – von Bauern bis zu Priestern – konnte diese Rettungsaktion ganze vier Jahre lang geheim gehalten werden.

Erzähler: Bronislava Birutė Jereminienė; Diese Geschichte aufegschrieben: žurnalistė Gintarė Karmonienė

Zugehörige Objekte

Weg zum Geburtsort von Vytautas Macernis

Im Dorf Šarnelė im Bezirk Plungė, dem Geburtsort des litauischen Dichters Vytautas Mačernis, wurde ein Weg zu seinem Geburtshaus angelegt. Auf diesem 545 Meter langen Pfad erreicht man sein Grab. Der Dichter starb am 7. Oktober 1944 während der Schlacht von Seda, als er versehentlich von einem Granatsplitter am Kopf getroffen wurde. Nach seinem Tod überführten seine Angehörigen ihn nach Šarnelė, um ihn in seiner Heimat beizusetzen.

Auf dem Wanderweg V. Mačernis sollten Sie unbedingt die nahegelegene Kerpauskas-Quelle mit Informationsstand besuchen. Diese Quelle erinnert an ein wichtiges historisches Ereignis – den Völkermord an den Juden während des Zweiten Weltkriegs. Die Kerpauskas-Quelle befindet sich am Weg, der vom Parkplatz zum Grab des Dichters führt. Während des Zweiten Weltkriegs versteckte die Familie von Juozas und Adolfina Kerpauskas Juden in unterirdischen Bunkern am Fuße eines kleinen Hügels nahe der Quelle und im darunterliegenden Gehöft. Dreieinhalb Jahre lang kümmerte sich die Familie um mehrere jüdische Familien – insgesamt 16 Personen – und schützte sie vor der Vernichtung. In der Sowjetzeit wurden Adolfina und Juozas Kerpauskas mit ihren Kindern Bronė und Tomas nach Sibirien deportiert. Juozas Kerpauskas wurde 1992 und Adolfina Kerpauskienė 2009 mit dem Heilskreuz ausgezeichnet.