I Erster Weltkrieg, I Unabhängigkeitskriege, II Zweiter Weltkrieg, IV Die sowjetische Besatzung und der Kalte Krieg

Naisaare-Insel – einer der geheimsten Orte der Sowjetzeit

Küstenbatterie Nr. 7 „Amerika“

Die sogenannte „Amerikanische Batterie“ mit 9,2-Zoll-Geschützen befand sich am westlichen Ende der Insel, etwa 200 m vom Ufer entfernt. Ursprünglich für 130-mm-Geschütze vorgesehen, wurde sie später mit aus den Vereinigten Staaten gelieferten Geschützen ausgerüstet. Diese wurden elektrisch betrieben, die Munition wurde per Aufzug angeliefert. Der Gefechtsstand beherbergte gleichzeitig ein Kraftwerk und ein Munitionslager. 1918 wurden drei Stellungen gesprengt, eine blieb jedoch intakt.

Foto: Juris Smaļinskis
Marineminenfabrik Naisaare

Die Insel Naisaare beherbergte während der Sowjetzeit einen der größten sowjetischen Lager- und Montagekomplexe für Seeminen im Baltikum. Er wurde von 1950 bis 1956 errichtet, um im Bedarfsfall den westlichen Teil des Finnischen Meerbusens schnell verminen zu können. Das Gebiet war für Zivilisten eine militärische Sperrzone. Seeminen wurden dort montiert, repariert, gelagert und über die Schmalspurbahn der Insel zum Hafen transportiert.

Foto: Juris Smaļinskis
Naisaare Kriegsmuseum

Das Militärmuseum Naissaar befindet sich auf Naissaar in einer ehemaligen Wohnanlage aus der Sowjetzeit. Das Museum präsentiert die faszinierende und vielschichtige Militärgeschichte der Insel – von Seefestungen und Küstenverteidigungsanlagen bis hin zur Sowjetzeit, als die Insel ein militärisches Sperrgebiet war.

Naissaar war aufgrund seiner Lage ein wichtiger Bestandteil des Verteidigungssystems von Tallinn und des Finnischen Meerbusens. Die friedliche Atmosphäre der Insel birgt noch immer Spuren aus der Zeit, als hier Befestigungsanlagen, militärische Einrichtungen und Infrastruktur der Sowjetarmee stationiert waren. Das Museum trägt dazu bei, zu verstehen, wie die militärische Präsenz sowohl die Entwicklung der Insel als auch das Leben der Einheimischen prägte.

Die Ausstellung bietet einen Überblick über die Entstehungsgeschichte und Entwicklung von Seefestungen, die Rolle von Naissaar in den Verteidigungssystemen verschiedener Epochen und das Leben der Inselbewohner in schwierigen Zeiten. Zu sehen sind Granatsplitter, Waffenteile, Fotografien und andere Objekte, die das militärische Erbe der Insel anschaulich vermitteln. Ein eigener Teil der Ausstellung ist der Ausrüstung eines sowjetischen Soldaten und Propagandapublikationen gewidmet, die ein eindrucksvolles Bild jener Zeit zeichnen.

Das Museum eignet sich gut für all jene, die Naissaar nicht nur als Insel von natürlicher Schönheit entdecken möchten, sondern auch als einen Ort, an dem die estnische Küstenverteidigung, die Militärgeschichte und das sowjetische Erbe sichtbare Spuren in der Landschaft hinterlassen haben.

Das Museum kann im Sommer nach vorheriger Absprache von Gruppen besichtigt werden. Einzeltickets sind im Café in der Nähe des Museums erhältlich.


Foto: Juris Smaļinskis