Flüge des Fliegers Utochkin in Tartu

Die ersten Flüge am Himmel Estlands – Pilot Utotškin über Raadi im Jahr 1912.

Die ersten Flüge am estnischen Himmel – der Pilot Utochkin über Raadi im Jahr 1912.

Die Flüge des Fliegers Utochkin in Tartu am Samstag, dem 14. und Sonntag, dem 15. April, verliefen gut. Das Wetter war kühl, aber klar, das lange Übungsgelände auf dem Peterburi-Hügel eben und trocken, breit genug für einen Piloten zum Starten und Landen… Man muss allerdings sagen, dass sein Flugzeug bei näherer Betrachtung zunächst enttäuscht. Der Wunsch zu fliegen treibt seit Jahrhunderten die klügsten Köpfe der Menschheit an, die nach einer praktikablen Lösung suchen. Man könnte annehmen, dass diese Konstruktion, das Ergebnis dieser Forschung, ein sehr feines und ausgeklügeltes Gerät ist. Dem ist jedoch nicht so. In Wahrheit ist es nichts weiter als eine Holzkonstruktion, die mit Draht zusammengehalten wird, deren etwa 3,60 Meter lange Flügel mit Leinenstoff bespannt sind. Sie haben vorne eine kleine, schnabelartige Fläche und hinten zwei Flächen als Leitwerk. Alles ist so einfach und aus so gewöhnlichen Materialien gefertigt. Bemerkenswert ist der 50 PS starke Benzinmotor, der um seine Welle läuft und zwei Holzblätter (den Propeller) mit alarmierender Geschwindigkeit antreibt. Das Ganze Das Gefährt steht auf Gummirädern... Es fährt mühelos 50 Meter und hebt dann mit Leichtigkeit ab, wie ein von Kindern gesteuerter Drachen, indem es die Gleitflächen durch den Propeller anhebt. Surrend über den Häusern verschwindet es auf dem Gelände des Herrenhauses in Raadi und fliegt über den Kirchturm der Kaserne hinweg... Utochkin hatte in nur sechs Minuten mehrere Kilometer zurückgelegt.

Verwendete Quellen und Referenzen:

Postimees. 16. April 1912. https://dea.digar.ee/article/postimeesew/1912/04/16/22

Zugehörige Objekte

Militärflugplatz von Raadi

In Raadi am nordöstlichen Rand von Tartu befindet sich ein ehemaliger Militärflugplatz.

 

Am 14. April 1912 absolvierte der russische Pilot Sergej Utotschkin den ersten Flug eines Motorflugzeugs in Estland in einer Maschine vom Typ Farman über den Feldern des Gutes Raadi. Im Sommer 1914 ließ Baron Liphart, der Gutsbesitzer von Raadi, sein Feld ebnen, um eine Landebahn für Flugzeuge anzulegen. Nach der Unabhängigkeit Estlands war in Raadi die 2. Flugstaffel des Fliegerregiments stationiert. In den 1950er und 1960er Jahren entwickelte sich Raadi zu einem der größten Militärflugplätze in Osteuropa, von dem aus strategische Langstreckenbomber der Roten Armee starteten. Das letzte Flugzeug soll 1996 in Raadi gelandet sein. Die Idee, den Flugplatz zu modernisieren, wurde 1999 endgültig aufgegeben. Heute wird er nicht mehr als solcher genutzt.

 

Das Landgut Raadi lag in unmittelbarer Nähe des Flugplatzes. Im Jahr 1922 wurde das Estnische Nationalmuseum in den Räumlichkeiten des 1919 enteigneten Gutshofs eingerichtet. In den Kämpfen im August 1944 wurde das Herrenhaus bombardiert und brannte bis auf die Grundmauern nieder. 2016 wurde das neue, futuristische Hauptgebäude des Estnischen Nationalmuseums in Raadi eröffnet. Es befindet sich am westlichen Ende einer der ehemaligen Start- und Landebahnen. Die Idee war, ein 350 Meter langes Gebäude zu schaffen, das aus dem Boden aufsteigt und dabei wie eine langsam in den Himmel aufsteigende Verlängerung der Start- und Landebahn wirkt.