Weihrauch und Raketenbasis Rohu

In der Stadt Rakvere, an der Arkna-Straße, befand sich in den 1960er und 1970er Jahren das 304. sowjetische Garde-Raketenregiment (Staffel 14372). Ihm waren zwei Divisionen unterstellt, eine in Kadila und die andere in den Wäldern von Rohu-Lebavere. Auf diesem Stützpunkt war eine Division stationiert, die die Raketen des Typs R-12 wartete, welche 1959 in der Sowjetunion in Dienst gestellt wurden. Diese Raketen konnten bis zu 2.000 Kilometer weit fliegen und thermonukleare Sprengköpfe mit einer Sprengkraft von entweder 1 oder 2,3 Megatonnen (1 Mgt = 1 Million Tonnen) tragen. Das Divisionsgelände war von einem doppelten Stacheldrahtzaun umgeben. Zwischen den beiden Zäunen befand sich ein Drahtgitter, das unter Hochspannung stand. Berührte eine Person oder ein Tier den Zaun, wurde ein Signalsystem aktiviert, das den Kontaktpunkt anzeigte. Am Tor befanden sich Maschinengewehrnester. Die in den Wäldern stationierten Raketeneinheiten wurden als Artilleriedivisionen bezeichnet. Niemand wusste, dass sich in den umliegenden Wäldern Atomraketen befanden. Das Divisionsgelände war in verschiedene Zonen unterteilt. Die erste Zone umfasste die Werkstätten der Wachmannschaft und der Offiziere, das Hauptquartier, Munitionsdepots, unterirdische Treibstofftanks und Garagen für Maschinen. Die Offiziere wohnten im Militärbezirk Rakvere. Die zweite Zone enthielt Soldatenkasernen, eine Sauna, eine Wäscherei, eine Kantine, einen Klub, ein Heizhaus und ein Kraftwerk. Im Wirtschaftshof befanden sich Lebensmittellager, Garagen mit Maschinen und ein Treibstofflager. Die Kampfzone war der wichtigste Teil des Stützpunktes. Sie war ihrerseits von den anderen Zonen abgetrennt. Die Kampfzone umfasste ein spezielles Raketentreibstofflager, einen Montageplatz, Hangars für Raketen und deren Wartung sowie Startrampen. Eine Division verfügte über vier Raketenhangars. Es gab einen Hangar und eine Startrampe für jeweils zwei Raketen. Sechs Raketen konnten bei Bedarf sofort gestartet werden, zwei standen als Reserve bereit. Die Raketen standen im Hangar horizontal auf fahrbaren Gestellen. Die Rakete inklusive Sprengkopf war 22,1 m lang. Das Lager musste sowohl im Sommer als auch im Winter eine gleichmäßige Temperatur (+4 °C) und Luftfeuchtigkeit aufweisen. Ein automatisches Belüftungssystem sorgte für ein konstantes Mikroklima. Warme Luft strömte durch Rohre aus dem Heizraum des Hangars. Beide Teile des hier im Wald gelegenen Stützpunkts waren identisch. Nur Rohu (Lebaveres) diente als Lager für Atomsprengköpfe, als Schießplatz und als Schweinestall für beide Divisionen. Ortungsanlagen in der Nähe der Division Kadila versorgten sowohl den Stützpunkt Kadila als auch Rohu. Von den Anlagen des Stützpunkts sind noch Ruinen erhalten. Als der Stützpunkt leer stand, wurden die Gebäude von Kolchosen und Privatpersonen als Baumaterial verwendet. Auf dem Gelände des Stützpunkts Rohu befinden sich fast fünf Hangars: zwei für die Lagerung von Atomsprengköpfen, zwei für Raketen und ein Wartungshangar. An der Wand des Wartungshangars prangt noch immer ein Lenin-Gemälde. Vom ersten Raketenhangar führt eine Straße zur Startrampe. Auf einem massiven Betonfundament war bis vor Kurzem, vor den Plünderungen durch Metalldiebe, noch deutlich ein Ring zu erkennen, an dem eine startbereite Rakete befestigt war. In einem der Lagerhangars ist der massive Türpfosten (ebenfalls geplündert) des Nuklearsprengstofflagers zu sehen, an dem einst eine bis zu einem halben Meter dicke Tür angebracht war. Auf dem Stützpunkt Kadila sind die speziellen Treibstofflagerhallen nahezu unversehrt geblieben, und am Ende des Geländes befindet sich ein Raketenhangar, von dem eine Straße zur Startrampe führt. Auch hier befand sich, wie auf dem Stützpunkt Rohu, ein Ring auf einem massiven Betonfundament. In der Ferne sind die die Startrampe umgebenden Wälle zu erkennen; dort befindet sich noch immer ein Schutzbunker, in dem die Rakete während des Starts versteckt war. In der Nähe ist auch der Wartungshangar „intakt“. Die Wartung der hier stationierten Raketen war kompliziert und aufwendig. Innerhalb von etwa zehn Jahren war der Stützpunkt moralisch überholt. Die erwähnte Militäreinheit wurde in der zweiten Hälfte des Jahres 1978 aufgelöst. Für neue mobile Raketensysteme wurden unterirdische Schächte und modernere Startanlagen errichtet. Die neuen Raketen (R-12U) waren wesentlich schneller einsatzbereit und schwieriger zu entdecken.

Zugehörige Objekte

Kadila- und Rohu-Raketenstützpunkte

Die Raketenbasis befindet sich im Landkreis Lääne-Virumaa, etwa 10 km von Väike-Maarja entfernt.

 

Die Rohu-Raketenbasis war Teil der im sowjetischen Rajon Rakvere befindlichen Atomraketenbasis. Die Basis wurde von Rakvere aus geleitet, war von 1960 bis 1970 in Betrieb und wurde 1987 aufgrund ihrer Veralterung stillgelegt.

 

Heute steht das, was übrig geblieben ist, größtenteils in Ruinen; zu erkennen sind noch Raketen-, Wartungs- und Lagerhallen sowie Flugbahnen.