Festung IV der Festung von Kaunas
Befestigungsanlage

Kauno-tvirtoves-IV-fortas.jpg
Foto des Kaunas-Festungsparks, öffentliche Einrichtung
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 Plytinės g. 15, Rokai, Kaunas, Litauen
 +370 37 309350
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Fort IV der Festung Kaunas in Rokusai, Stadt Kaunas, wurde in den Jahren 1882–1889 erbaut und im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wiederaufgebaut.

Die Festung hat einen asymmetrischen, annähernd dreieckigen Grundriss. Sie besitzt keine zentrale, das Gelände durchquerende Pforte. Die Gebäude sind asymmetrisch angeordnet. Im hinteren Teil befinden sich Kasernen, zwischen denen sich ein Tor – eine hintere Kaponniere – befindet. Im vorderen Teil befindet sich eine zentrale Kaponniere, an den Seiten zwei Halbkaponiere und zusätzliche Zwischenkaponiere. Der äußere Graben ist von einer Konterskarupmauer umgeben. Bei der Modernisierung der Festung im Jahr 1893 wurden zwei vierstöckige, sturmsichere Geschützhebekäsematten mit einem komplexen Mechanismus zwischen dem zentralen Munitionsdepot und der zentralen Kaponniere von Ingenieur Likhachev entworfen und installiert. Dadurch konnten die Geschütze sofort in Feuerstellung gebracht werden. Der linke Flügel der Kasernen, die gestaffelten Munitionsdepots und die Pforten wurden mit Beton verstärkt. An den linken und rechten Flanken wurden jeweils einzigartige Zwischenkaponiere aus Beton errichtet.

Während des Ersten Weltkriegs deckte Fort IV den zweiten und einen Teil des ersten Verteidigungsabschnitts mit Artilleriefeuer. Da der Hauptangriff der Deutschen im ersten Verteidigungsabschnitt stattfand, konnte Fort IV mit seiner Besatzung keinen entscheidenden Einfluss auf die Verteidigung der Festung ausüben. Nachdem die Deutschen die Verteidigung des ersten Verteidigungsabschnitts durchbrochen hatten, erhielt Fort IV die fälschliche Information, Fort III sei bereits in feindlicher Hand. Daraufhin wurde dem Kommandanten von Fort IV der Befehl erteilt, das vermeintlich verlorene Fort unter Artilleriebeschuss zu nehmen. Die Besatzung sprengte das Fort während des Rückzugs. Die Explosion zerstörte den Geschützbunker und blockierte die Munitionsdepots.

In der Zwischenkriegszeit nutzte die Armee des unabhängigen Litauens die Festung für eigene Zwecke. Das Gelände diente der Ausbildung von Studenten der Militärschule und wurde als Übungsgelände genutzt. Im Zweiten Weltkrieg nutzten die Nationalsozialisten das Gelände von Fort IV als Ort der Judenvernichtung. Während der Besatzungszeit durch Nazideutschland wurden dort etwa 4.000 Juden ermordet. In der Sowjetzeit war Fort IV militärisches Gelände. Lange Zeit diente es dem 108. Luftlanderegiment als Lager und Schießplatz.

In den Jahren 1998–1999 wurde Fort IV gereinigt und entmint, die Arbeiten mussten jedoch aufgrund fehlender Finanzierung eingestellt werden. 2012 wurde das Gelände erneut gereinigt, einige Bereiche und Räumlichkeiten blieben jedoch aufgrund des beschädigten Entwässerungssystems weiterhin unzugänglich. Heute dient Fort IV häufig als Veranstaltungsort für Performances und Aktionen zeitgenössischer Kunst.